Warum wir uns der OIXIO Group anschließen – und was das für unsere Kunden bedeutet

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Es gibt Entscheidungen, die man aus einer Situation trifft und solche, die man mit Weitsicht trifft, weil man sieht, wohin die Reise geht. Unsere gehört in die zweite Kategorie. Seit dem 1. Juli 2026 ist die erminas GmbH Teil der OIXIO Group, und ab heute treten wir auch nach außen so auf. Wir möchten in diesem Beitrag erklären, wie es dazu kam, warum wir das für den richtigen Schritt halten – und was sich für unsere Kunden konkret ändert.

Der Ausgangspunkt: Ein Projekt beginnt heute nicht mehr an der Maschine

Als wir vor über 19 Jahren angefangen haben, war ein IIoT-Projekt eine überschaubare Angelegenheit: Daten aus einer Maschine holen, in ein System bringen, auswerten und in Prozesse integrieren. Heute sieht ein typisches Gespräch mit einem Fertigungsunternehmen anders aus. Es beginnt vielleicht mit „Wir wissen zu wenig über unsere Rüstzeiten“ – und innerhalb von zwanzig Minuten sind wir bei Netzwerksegmentierung, bei der Frage, wer eigentlich den Fernzugriff auf die Steuerung absichert, bei NIS2, bei der Frage, ob die Daten in Azure oder im eigenen Rechenzentrum liegen sollen, und bei der Frage, ob man aus denselben Daten nicht auch gleich ein unternehmensweites Power-BI-Reporting bauen könnte.

Das sind alles legitime Fragen. Sie hängen sachlich zusammen. Und sie zeigen ein Muster, das sich in den letzten Jahren verstärkt hat: Die Grenze zwischen OT, IT und Security ist praktisch verschwunden. Wer die eine Seite bearbeitet, muss die andere mindestens verstehen.

Wir haben darauf lange mit Partnernetzwerken reagiert. Das funktioniert – bis zu einem gewissen Punkt. Ab einer bestimmten Projektgröße, und erst recht bei internationalen Roll-outs über mehrere Werke hinweg, wird die Koordination zwischen mehreren unabhängigen Dienstleistern zum eigentlichen Projektrisiko. Kunden merken das. Und sie fragen zunehmend nach einem Ansprechpartner, der die Verantwortung für das Gesamtbild übernimmt.

Wo das Spektrum über unser Kerngeschäft hinausgeht

Sichere und performante Software zu bauen, ist bei uns seit jeher Standard. Unsere Produkte erPUB und erTRACE sind auf Sicherheit ausgelegt, und wir unterstützen Kunden aktiv dabei, ihre Produkte Cyber-Resilience-Act-konform zu machen. Was heute dazukommt, liegt eine Ebene tiefer: Sichere Software entfaltet ihren vollen Wert erst auf einer ebenso sicheren Infrastruktur. Netzwerke schützen, Identitäten managen, ein Security Operations Center betreiben, auf Vorfälle reagieren – das ist eine eigene Disziplin mit eigenen Spezialisten und einem Betrieb rund um die Uhr.

Diese Disziplin hätten wir uns über Jahre selbst aufbauen können. Schneller – und für unsere Kunden deutlich besser – ist es, sich mit einem Haus zusammenzutun, das darin seit Jahren zu den erfahrensten in Europa gehört.

Warum ausgerechnet Estland

Kennengelernt haben wir uns auf der Hannover Messe 2025. Aus einem Messegespräch wurde ein längerer Austausch, aus dem Austausch eine Absichtserklärung gemeinsam Synergien zu nutzen, die wir im April 2026 – wieder auf der Hannover Messe – unterzeichnet haben.

Dass es ein estnisches Unternehmen wurde, ist kein Zufall. Estland ist das Land, das seine Verwaltung praktisch vollständig digitalisiert hat. Es ist auch das Land, das 2007 einen der ersten großflächigen staatlich zugeschriebenen Cyberangriffe auf ein ganzes Land erlebt hat und daraus Konsequenzen gezogen hat. Die NATO betreibt in Tallinn ihr Cyber Defence Centre of Excellence. In Estland und Litauen ist Cyber Security keine Compliance-Übung, sondern gelebte Praxis unter realem Druck – Behörden und Unternehmen dort stehen unter permanenten Cyber-Angriffen.

Dieses Erfahrungsniveau kann man in Deutschland kaufen, aber selten in dieser Dichte. Für unsere Kunden im industriellen Mittelstand ist das ein handfester Vorteil.

Vieles von dem, was bei einer ausländischen Beteiligung sonst Fragen aufwirft, stellt sich hier gar nicht erst. Estland ist seit 2004 EU-Mitglied, seit 2011 Teil der Eurozone, im Schengen-Raum und in der NATO. Es gilt dieselbe DSGVO/GDPR, dasselbe europäische Vertrags- und Vergaberecht, dieselbe Währung. Daten bleiben in der EU, ein Drittlandtransfer ist schlicht kein Thema. Praktisch kommt hinzu: Tallinn liegt gut zwei Flugstunden entfernt, bei einer Stunde Zeitverschiebung. Der Arbeitstag überlappt sich vollständig – das ist in der internationalen Zusammenarbeit erfahrungsgemäß mehr wert als jede Kostenrechnung.

Der zweite Punkt ist der Digitalisierungsgrad des Landes selbst. Estland wickelt seine Verwaltung praktisch vollständig online ab, die digitale Signatur ist der handschriftlichen rechtlich gleichgestellt, ein Behördengang ist die Ausnahme. Dass die EU ausgerechnet Tallinn zum Sitz von eu-LISA gemacht hat – der Agentur, die den Betrieb ihrer großen IT-Systeme verantwortet, darunter die Technik hinter Schengen – ist kein Zufall. Ein Land, das seinen Staat digital betreibt, bringt Fachkräfte hervor, für die Digitalisierung kein Projektthema ist, sondern Alltag.

Die starke technische Kompetenz Estlands hat ein solides Fundament: Estnische Schülerinnen und Schüler erzielen bei den PISA-Studien regelmäßig europäische Spitzenwerte. Zugleich hat das Land mit nur rund 1,4 Millionen Einwohnern bemerkenswert viele erfolgreiche Technologieunternehmen wie Skype, Wise, Pipedrive und Bolt hervorgebracht. Diese Kombination aus hervorragender Ausbildung und ausgeprägter Technologiekompetenz erleben wir auch in der Zusammenarbeit mit unseren estnischen Kolleginnen und Kollegen.

Auch menschlich passt die Zusammenarbeit sehr gut. Esten und Norddeutsche verbindet ein ähnliches Temperament: eher zurückhaltend und pragmatisch, mit einer direkten, verlässlichen Art der Zusammenarbeit. Vielleicht ist diese Nähe auch historisch gewachsen – Tallinn und Tartu waren Hansestädte und über Jahrhunderte eng mit dem norddeutschen Raum verbunden. Für uns ist jedenfalls schnell deutlich geworden: Es passt nicht nur fachlich, sondern auch kulturell.

Wer OIXIO ist

Die OIXIO Group hat ihren Hauptsitz in Tallinn und beschäftigt rund 300 Mitarbeitende an sieben Standorten in Estland (Tallinn, Tartu), Litauen (Vilnius, Kaunas) und Deutschland (Oldenburg, Mönchengladbach), dazu Mitarbeitende in weiteren europäischen Ländern. Über 1.000 aktive Kunden werden in vier Bereichen betreut:

  • Managed IT Services – Managed Workplace, Cloud-Infrastruktur (Microsoft 365, Dynamics 365, Azure), On-Premises-Infrastruktur, End-User-Support
  • Digital – Softwarelösungen auf Microsoft-Basis: Dynamics 365 F&O und Business Central, Azure, Power BI, Power Apps, Copilot und KI
  • Cyber Security – Audits, Aufbau und Betrieb sicherer Infrastrukturen, Anwenderschulungen, SOC-Betrieb, laufende Bedrohungslage-Berichte
  • Advisory – digitale Workflows und Prozesse, häufig der Startpunkt eines Kundenprojekts

Der Leitsatz der Gruppe – Wir stärken Unternehmen mit intelligenter Digitalisierung und IT-Services – deckt sich ziemlich genau mit dem, was wir seit jeher tun. Das bedeutete uns mehr als jede Zahl im Term Sheet.

Was erminas in der Gruppe wird

Wir sind innerhalb der OIXIO Group das Kompetenzzentrum für Industrial IoT und individuelle Business Applications. Das ist keine Floskel. Es bedeutet, dass unsere Expertise künftig nicht nur deutschen Kunden zur Verfügung steht, sondern auch den über 1.000 Kunden der Gruppe innerhalb und außerhalb Europas – und dass erPUB und erTRACE einen deutlich größeren Markt vor sich haben als bisher.

Das Team bleibt in Oldenburg. Die Geschäftsführung bleibt. Die Art, wie wir arbeiten – nah am Kunden, vom Business Case her gedacht, nicht von der Technologie her – bleibt ebenfalls.

Was Kunden ab sofort zusätzlich bekommen

Für unsere bestehenden Kunden ändert sich im laufenden Betrieb nichts: gleiche Ansprechpartner, gleiche Verträge, gleiche Konditionen, gleicher Standort. Dazu kommt ein Portfolio, das bisher außerhalb unseres Kerngeschäfts lag:

  • Cyber Security in der Breite – Vom Audit über den Aufbau sicherer Infrastruktur bis zum 24/7-SOC. Für Unternehmen, die unter NIS2 fallen oder deren Produkte ab Dezember 2027 CRA-konform sein müssen, ist das keine Kür mehr.
  • Managed IT Services – Wenn Sie wollen, kommt der Betrieb der Infrastruktur, aus derselben Hand wie die Lösung selbst. Sicher, zuverlässig und immer verfügbar.
  • Microsoft in voller Breite – Bisher waren wir vor allem in Azure, Data & AI, Digital & App Innovation und Business Central zu Hause. Jetzt kommen die weiteren Bereiche, insb. Infrastruktur und Security hinzu.
  • Business Intelligence und KI – Die Daten aus der Produktion sind da. Die Reporting- und KI-Kapazität, um noch mehr aus ihnen zu machen, kommt jetzt aus der Gruppe dazu. Mehr dazu im nächsten Abschnitt.
  • Advisory – Strukturierte Prozessberatung vor dem Projekt, nicht erst währenddessen.
  • Internationale Roll-outs – Mit Teams in mehreren Ländern und Erfahrung in weltweiten Projekten.

Umgekehrt bekommen die Kunden der OIXIO Group Zugang zu Industrial IoT als neuem Leistungsbereich, zu deutschsprachigem Support vor Ort in Deutschland und zu individueller Software-Entwicklung für Web und Mobile.

KI: Zwischen Ausprobieren und produktivem Einsatz liegt die eigentliche Arbeit

Kaum ein Thema wird derzeit so breit genutzt und so selten zu Ende gedacht wie künstliche Intelligenz. In fast jedem Unternehmen, mit dem wir sprechen, gibt es inzwischen Copilot-Lizenzen, ein paar ChatGPT- und Claude-Zugänge und mindestens eine Kollegin oder einen Kollegen, die etwas Beeindruckendes gebaut haben. Der Schritt von dort zu einem produktiven Einsatz, der messbar Zeit oder Geld spart, ist allerdings ein anderer – und er ist keine Modellfrage. Drei Punkte entscheiden darüber:

  • Bringt es tatsächlich etwas? Ein Assistent, der Texte formuliert, ist angenehm. Ein Assistent, der die Störungsmeldungen der letzten drei Jahre kennt und dem Instandhalter beim Auftreten eines Fehlers die drei wahrscheinlichsten Ursachen samt Ersatzteilnummer nennt, verändert einen Prozess. Der Unterschied liegt nicht im Modell, sondern darin, an welcher Stelle im Arbeitsablauf es sitzt und auf welche Daten es zugreift. Und damit an der Frage, ob diese Daten überhaupt in verwertbarer Form vorliegen – genau der Punkt, an dem unsere IIoT-Projekte seit Jahren ansetzen.
  • Ist es integriert oder ein weiteres Fenster? KI, für die man die Anwendung wechseln muss, wird nach zwei Wochen nicht mehr benutzt. Nutzen entsteht dort, wo sie in Business Central sitzt, im Ticketsystem, in der Shopfloor-Oberfläche oder im Dokumentenprozess – in dem Werkzeug, das ohnehin geöffnet ist.
  • Ist es sicher und nachvollziehbar? Welche Daten verlassen das Haus? Wer darf welche Antwort sehen? Lässt sich nachvollziehen, worauf eine Antwort beruht? Bei Produktions-, Personal- und Kundendaten ist das keine akademische Frage, sondern eine der Architektur – und damit auch eine Frage der Infrastruktur, auf der das Ganze läuft.

Genau an dieser Schnittstelle liegt der Nutzen des Zusammenschlusses. Wir bringen das Prozess- und Datenverständnis aus der Fertigung mit und wissen aus den Business Applications, wo im Arbeitsablauf eine Funktion sitzen muss, damit sie auch benutzt wird. Aus der Gruppe kommen die Microsoft-Plattform in voller Breite – Azure, Power BI, Power Platform, Copilot –, die Erfahrung aus einer großen Zahl von Daten- und KI-Projekten im und außerhalb des Baltikums und die Governance- und Security-Seite hinzu. Zusammen ergibt das ein Fundament, auf dem KI vom Experiment zum Werkzeug wird.

Wir sagen unseren Kunden dabei bewusst auch, wo KI aktuell nicht die beste Antwort ist. Ein sauber automatisierter Prozess ist einem KI-Assistenten, der eine unklare Zuständigkeit überbrückt, in aller Regel überlegen.

Der Cyber Resilience Act als konkretes Beispiel

Ein Thema, an dem sich der Nutzen gut zeigen lässt: Der Cyber Resilience Act betrifft jedes Unternehmen, das Produkte mit digitalen Elementen in der EU in Verkehr bringt – und das sind im Maschinen- und Anlagenbau praktisch alle. Ab dem 11. September 2026 greifen die Meldepflichten für aktiv ausgenutzte Schwachstellen, ab dem 11. Dezember 2027 die vollen Anforderungen.

Auf der Produktseite sind wir seit jeher zu Hause: sichere Entwicklung, SBOM, Schwachstellenmanagement, Dokumentation. Der zweite Teil der Aufgabe liegt im Betrieb – die Prozesse und die Infrastruktur, um eine Meldung innerhalb von 24 Stunden überhaupt abzusetzen, und die Überwachung, um einen Vorfall rechtzeitig zu bemerken. Genau das bringt die Gruppe mit.

Zum Schluss

Ein Unternehmen zu verkaufen, das man 19 Jahre lang aufgebaut hat, ist keine beiläufige Entscheidung. Wir haben sie getroffen, weil wir überzeugt sind, dass unsere Kunden und unser Team davon profitieren – nicht obwohl, sondern weil wir uns verändern. Die Alternative wäre gewesen, ein spürbar breiter gewordenes Anforderungsspektrum mit unverändertem Werkzeugkasten zu bedienen.

Uns war besonders wichtig, dass wir an Bord bleiben. Nicht nur erminas ist jetzt Teil der OIXIO Gruppe, sondern wir sind es auch. Gemeinsam gestalten wir die Zukunft der Gruppe.

Wenn Sie Fragen haben – zu Ihrem laufenden Projekt, zu den neuen Möglichkeiten, oder einfach dazu, wie sich das alles anfühlt – rufen Sie an. Die Nummer ist dieselbe geblieben.

Hilmar Bunjes und Dr. Yvette Teiken Geschäftsführer, OIXIO erminas GmbH – Teil der OIXIO Group

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